Drei harte Indikatoren fehlender digitaler Reife
Unreife Organisationen erkennt man nicht an der Technologie, sondern an Entscheidungen – oder daran, dass Entscheidungen ausbleiben.
1. Planung, Produktion und IT folgen unterschiedlichen Steuerungslogiken
- Planung optimiert Forecasts und Servicegrad
- Produktion optimiert Auslastung und Durchsatz
- IT optimiert Standards, Releases und Systemstabilität
Wenn diese Logiken nicht explizit zusammengeführt werden, kann S/4HANA zwar integrieren, es bildet aber nur ab, was organisatorisch nicht integriert gemanagt wird.
Das ERP-System wird dann zur Abbildung von Zielkonflikten – nicht zu ihrer Lösung.
2. Kritische Entscheidungslogiken liegen außerhalb des ERP-Systems
In vielen Manufacturing-Unternehmen werden zentrale Entscheidungen – etwa bei der Priorisierung von Fertigungsaufträgen – nicht im ERP-System getroffen, sondern in Excel oder individuellen Hilfslösungen.
Das ist kein Fehler.
Problematisch wird es erst, wenn vor der S/4HANA-Transformation nicht bewusst entschieden wird, welche dieser Logiken künftig Teil des Systems sein sollen – und welche weiterhin außerhalb bleiben dürfen.
Ohne diese Entscheidung wird entweder unkritisch alles migriert oder radikal alles entfernt. Beides führt zu Instabilität im laufenden Betrieb.
3. Stabilität wird als Ergebnis statt als Designprinzip verstanden
Viele Programme gehen implizit davon aus:
„Nach der Transformation wird es stabil.“
Im Manufacturing ist das ein riskanter Gedanke.
Stabilität muss vor der Transformation gestaltet werden:
- Welche Prozesse sichern den Betrieb?
- Wo sind Eingriffe erlaubt?
- Welche Bereiche werden bewusst entkoppelt, um Risiken zu begrenzen?
Stabilität entsteht nicht nach der Transformation, sondern vor der ersten Zeile Projektarbeit.
Wer diese Fragen erst im Projektverlauf stellt, reagiert – statt zu steuern.